Auf dem Weg zum Einweggebinde

Auch FIBC können – so wie starre Behälter – aufbereitet und unter bestimmten Bedingungen wiederverwendet werden. Allerdings findet eine Rekonditionierung dank billiger Importe tendenziell immer weniger statt.

(skl) Möchte man Schüttgüter in mittleren Mengen befördern, dann stellen Flexible Intermediate Bulk Container (FIBC) mit einem Fassungsvermögen um die 1.000 Liter in der Regel das Packmittel der Wahl dar. Das auch Bigbag genannte Gebinde wurde wie sein starres Gegenstück, der für Flüssiggüter konzipierte Kombinations-IBC, in den 70er Jahren entwickelt. Als Erfinder des FIBC gilt das Düsseldorfer Spezialchemieunternehmen Gustav Grolmann.

Merkmale
Die flexiblen Behälter, die es je nach Füllgut(dichte) und Verwenderbranche in Varianten zwischen 500 und bis hin zu 3.000 Litern Volumen gibt, bestehen im Wesentlichen aus zusammengenähtem Kunststoffgewebe (Polypropylen, kurz PP). Sie weisen ein rechteckiges (meist quadratisches), seltener auch ein kreisrundes Grundmaß und dementsprechend vier Seitenflächen oder einen rundgewebten zylindrischen Mantel auf. An der Oberseite bzw. den vier oberen Ecken befinden sich ein, zwei oder vier Schlaufen für das Handling mit Hebezeugen. FIBC können oben offen oder mit einem Deckel bzw. einer Schürze verschließbar sein. Oft befindet sich in der Mitte der Oberseite ein verschließbarer Einfüllstutzen und/oder im Boden ein Auslaufstutzen für die einfache Entleerung durch Schwerkraft nach Anheben. Um die flexiblen Behälter formstabiler zu halten, können an den vertikalen Innenkanten Über-Eck-Verstrebungen eingenäht sein.
Man unterscheidet bei der Ausstattung ferner zwischen unbeschichteten und (mit einem dünnen PP-Film) beschichteten FIBC. Bei letzteren können weder Luft noch Wasser eindringen, auf der anderen Seite dringt kein Produkt durch die Nähte von innen nach außen, wie es sonst bei sehr feinkörnigen, erst recht bei staubförmigen Gütern passieren kann. Für den gleichen Zweck – oft ist dies auch Kundenanforderung – können FIBC mit einem zusätzlichen Inliner aus Polyethylen (PE) geliefert werden.
Mehr als Abmaße und Volumen stellt die maximale Tragfähigkeit den wichtigsten Kennwert eines FIBC dar, dieser wird international als Safe Working Load, kurz SWL, bezeichnet und findet sich in der Regel in der Einheit Kilogramm auf dem Etikett des FIBC. Daneben ist außerdem ein Sicherheitsfaktor (SF) angegeben, er bezeichnet das Verhältnis der Prüflast zur Nennlast und liegt je nach FIBC-Klasse zwischen 5:1 und 8:1. Auf den meisten Etiketten finden sich zudem – meist in Piktogrammform – die wichtigsten Hinweise zur Handhabung, insbesondere zum Anheben per Stapler.
FIBC gibt es, wenn das Füllgut durch seine Eigenschaften wie eine geringe Korngröße oder geringe Mindestzündtemperatur zu elektrostatischer Aufladung bzw. explosionsartiger Entladung neigt, auch in antistatischer Ausführung aus isolierendem Gewebematerial (Typ B) oder in ableitfähiger Ausführung mit eingewebten, leitfähigen Fasern (Typ C). FIBC des Typs D begrenzen eine gefährliche Aufladung nach dem Prinzip der Korona-Entladung. Mit den drei Typen, insbesondere mit C und D, lassen sich Befüllungen oder Entleerungen auch in explosionsgefährdeten Bereichen bewerkstelligen. Indes dürfen FIBC des Typs A (ohne elektrostatische Ausstattung) in Ex-Schutz-Zonen nicht eingesetzt werden.

Vorschriften
Die wichtigste Norm für die Herstellung von FIBC ist die EN ISO 21898:2005 (Flexible Großpackmittel für nicht-gefährliche Güter). In ihren Anhängen legt sie die Bedingungen für Produktionsprüfungen (u.a. Widerstandsprüfung gegen UV-Strahlung, Hebeprüfung von oben mit Wechselbelastung und Stapeldruckprüfung) fest.
Natürlich gibt es auf dem Markt auch etliche FIBC mit UN-Zulassung, einzelne Anbieter verfügen über hunderte Bauartzulassungen. Die auf dem Packmittel aufgebrachte UN-Codierung beginnt bei FIBC aus Polypropylen mit einem der folgenden Kürzel:

  • 13 H1 – Kunststoffgewebe ohne Beschichtung oder Innenauskleidung,
  • 13 H2 – Kunststoffgewebe, beschichtet,
  • 13 H3 – Kunststoffgewebe mit Innenauskleidung,
  • 13 H4 – Kunststoffgewebe, beschichtet und mit Innenauskleidung.

Im weiteren Verlauf der UN-Codierung finden sich noch Angaben zu Verpackungsgruppe(n), Produktionsdatum, Zeichen des Zulassungsstaates, Hersteller-name/-Kurzzeichen, Prüflast der Stapeldruckprüfung sowie zur zulässigen Bruttomasse.
In den Bau- und Prüfvorschriften des Teils 6 der Gefahrgutvorschriften ist den FIBC nur ein kurzer eigener Unterabschnitt gewidmet. In 6.5.5.2 wird besonders die UV-Beständigkeit gefordert, die sich durch Zugabe geeigneter Pigmente oder Inhibitoren erreichen lässt. Auch dürfen FIBC nicht aus Werkstoffen bereits benutzter Behältnisse hergestellt sein – diese Regelung ist strenger als bei anderen (Kunststoff-)Verpackungsarten.
In Deutschland legt die Gefahrgutregel 001 der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM-GGR 001) die Prüfhäufigkeiten in der Serienproduktion auch für die Hersteller von FIBC fest. Eine visuelle Kontrolle der Nähte bzw. Verbindungen ist demnach an jedem Fabrikat vorzunehmen. Abmessungen sowie ggf. vorhandene Verschlüsse sind mindestens an jedem 250. FIBC zu überprüfen. Und eine Hebeprüfung von oben, eine Fall- und eine Kippfallprüfung sowie eine Kontrolle auf korrekte, lesbare und dauerhafte Kennzeichnung muss der Hersteller an jedem 1.000. FIBC durchführen.

Verwendung
Bigbags werden inzwischen in etlichen Branchen als preiswertes Transport- und Lagergebinde eingesetzt, vor allem die Bau- und Entsorgungsbranche stechen vordergründig heraus. Als extrem preiswerte Verpackungsart können sie bei der Entsorgung recycelt, mitverbrannt oder bei gefährlichen, nicht zur thermischen Verwertung geeigneten Abfällen wie Filterstäuben oder Asbest auch als „Endlagergebinde“ selbst in Untertagedeponien verwendet werden. Doch auch in Branchen, die hohe Anforderungen an Reinheit und Hygiene stellen wie die Lebensmittel-, Pharma-, Kunststoff- oder die Chemieindustrie, werden etliche Produkte per FIBC befördert.
In einem FIBC verwendenden Betrieb sollten Mitarbeiter, welche die Gebinde befördern, extra dafür eingewiesen werden. Bei einem von der Staplergabel herunterhängenden FIBC besteht erhöhte Kippgefahr. Daher sollte der FIBC nahe am Mast und so niedrig wie möglich transportiert werden. Die Ladung sollte dabei nicht die Sicht des Staplerfahrers beeinträchtigen.
Schwierig gestaltet sich auch die Stapelung von FIBC. Im Allgemeinen ist die pyramidenförmige, aufeinander versetzte Stapelung zu bevorzugen, natürlich unter Beachtung der zulässigen Stapellast und der Schüttguteigenschaften. Soweit möglich sollten die Gebinde an mindestens zwei stützenden Wänden gestapelt werden. FIBC sind grundsätzlich nicht für die Außenlagerung vorgesehen, da neben der UV-Strahlung auch Witterungseinflüsse wie Regen oder extreme Temperaturen das Kunststoffgewebe schädigen.
Zur Entleerung eines nur einmal verwendeten FIBC sollte dessen Boden mit einer Schneidvorrichtung mit ausreichend langem Griff von der Seite aufgeschnitten werden. Ist ein Auslaufstutzen vorhanden, darf dieser nur dann von Mitarbeitern geöffnet werden, wenn der FIBC über einer Sicherheitsstütze hängt. Die Stütze verhindert Personenunfälle auch für den Fall, dass die Hebeschlaufen versagen. Keinesfalls sollten sich Mitarbeiter unter gehobenen, nicht abgestützten FIBC aufhalten.

Das Fachmagazin Fachmagazin "gefährliche ladung" berichtet in seiner April-Ausgabe weiter über den Mehrweg-Einsatz, die beschränkten Möglichkeiten der Rekonditionierung sowie die stofliche/Thermische Verwertung von FIBC.

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ISSN 0016-5808
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