BAM: Reallabor für sichere Wasserstoffnetze eröffnet
Deutschland plant den Ausbau eines Wasserstoffkernnetzes bis 2032. Die BAM hat ein europaweit einzigartiges Reallabor aufgebaut, um technische und sicherheitsrelevante Fragen zu beantworten.
(mk) Um Deutschland beim Ausbau eines Wasserstoffkernnetzes mit Leitungen mit einer Länge von mehr als 9.000 Kilometern bis 2032 zu unterstützen, hat die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) auf ihrem Testgelände Technische Sicherheit (TTS) in Brandenburg ein Reallabor eröffnet. Für den Ausbau des Wasserstoffkernnetzes sollen bestehende Erdgasleitungen umgestellt werden, und auf europäischer Ebene soll die deutsche Infrastruktur Teil des europaweiten Wasserstoffnetzes European Hydrogen Backbone werden. Für den sicheren Betrieb eines Wasserstoffkernnetzes möchte die BAM im Reallabor technische und sicherheitsrelevante Fragen beantworten – von der Eignung bestehender Werkstoffe bis hin zum Verhalten von Leitungen unter wechselnden Betriebsbedingungen.

Feierliche Eröffnung des Reallabors durch Kai Hilgenberg, Katharina Löwe und Kai Holtappels von der BAM (von links nach rechts) (Foto: BAM)
Mit dem Projekt ModuH2Pipe, das im Wasserstoff-Kompetenzzentrum H2Safety@BAM angesiedelt ist, sollen Pipelines und ihre Komponenten erstmals unter realistischen und zugleich extremen Betriebsbedingungen systematisch getestet werden können. So soll es möglich sein, starke Druckschwankungen oder hohe Durchflussmengen zu simulieren. Dabei werden Rohrleitungen wiederholt Drücken zwischen 10 und 85 bar ausgesetzt. Zudem soll der Einfluss von gezielt beigemischten Verunreinigungen untersucht werden.
Die BAM möchte neben Werkstoffen auch Fertigungs-, Schweiß- und Reparaturarbeiten erproben und validieren. Zur Überwachung der Pipelines und Komponenten sollen zerstörungsfreie Prüfverfahren unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt werden. Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen u.a. die Restlebensdauer bestimmt oder Wartungszyklen optimiert werden.
Sicherheitskritische Fragen sollen im Projektrahmen ebenfalls untersucht werden. Die BAM plant, Rohrleitungen oder Armaturen extrem hohen Drücken bis 900 bar – weit über die normalen Betriebsgrenzen hinaus – auszusetzen. Wenn die Komponenten dem Druck nicht standhalten, können die Auswirkungen genau analysiert werden. Die BAM verspricht sich davon, Schutzmaßnahmen und Sicherheitskonzepte anhand der gewonnenen Erkenntnisse gezielt zu verbessern und weiterzuentwickeln, um Schäden vermeiden oder reduzieren zu können.

Reallabor für Wasserstoffnetze: die neue Anlage auf dem Testgelände Technische Sicherheit (TTS) der BAM (Foto: BAM)

